22. So nach Trinitatis 2013

Gehalten von Pfarrer Manfred Staude am 27. Oktober 20

Micha 6,6-8
„Womit soll ich den Herrn für mich einnehmen, gewinnen meinen Gott, den Höchsten? Werde ich ihn mit Ganzbrandopfern erreichen, mit einjährigen Stieren? Wird der Herr Tausende von Widdern annehmen oder Zehntausende von Bächen Fett? Soll ich meine Erstgeburten wegen der Gottlosigkeit geben, die Frucht meines Leibes wegen der Sünde meiner Seele?

Es ist dir kundgetan, o Mensch, was gut ist, und der Herr verlangt von dir nichts als: Recht tun, Erbarmen zu lieben und bedachtsam mit deinem Gott durchs Leben zu gehen."

Liebe Geschwister in unserem Herrn Jesus Christus!
Heute beschäftigen wir uns mit einem mutigen Menschen, dem Propheten Micha.
Micha ist auch heute noch die Kurzform von Michael, damals war die Langform von Micha auch Michaja. Ob nun Michael, Michaja oder Micha, der Name ist hebräisch und bedeutet: Wer ist wie Gott, wer ist wie JAHWE? Und die Antwort auf diese Frage ist natürlich: „Niemand ist wie Gott, Gott ist unvergleichlich, einzigartig“. Aber Menschen machen unseren unvergleichlichen Gott immer wieder klein mit ihren kleinlichen Vorstellungen und der Enge ihres Herzens und ihrem Starrsinn. Da meinen sie, Gott ist soo streng oder soo locker, wie ich gern möchte. Und Gott selbst wundert sich, welche Zerrbilder von ihm verbreitet werden. Er erkennt sich selbst nicht wieder. Dagegen predigt Micha an.
Micha hat vor langer Zeit gelebt. 700 Jahre vor Jesus. Damals war Israel von einer Großmacht bedroht, fremde Soldaten belagerten Jerusalem. Micha war keiner, der mit dem Strom schwamm. Er mahnte und drohte: Ihr habt euch selbst in dieses Schlamassel gebracht. Es ist Gott, der euch diese Soldaten schickt, weil ihr ohne Gott lebt in Selbstsucht. Nun, da hat sich ja gar nicht so viel geändert heute. Wo wird denn nach Gottes Willen gefragt, wenn es um große Entscheidungen geht?
Also, Micha hatte die undankbare Aufgabe, die Menschen zu warnen, dass sie endlich umkehren vom falschen Weg. Und das war schwer für Micha. Jeder möchte doch lieber etwas Positives sagen.
Und so darf Micha, darf, nach allem Ernst des Gerichtes, die tröstende Botschaft verkünden: Gott vergibt, Gott hat keine Freude am Strafen, ein gütiger und gnädiger Gott ist er. Wir dürfen Gott ins Herz blicken und Gottes wahren Charakter erkennen: Gütig und helfend.

Das Bodenpersonal Gottes ist nicht immer so eng mit dem obersten Chef verbunden, wie Micha mit seinem Gott. Es kann passieren, dass sie sich gar nicht um ihren Gott scheren oder auch, dass sie so streng werden, wie er oben es niemals gemeint hat. Diese Woche hat mir der Heizölfahrer erzählt, welche schlechten Erfahrungen er mit Kirche gemacht hat. Wohl ein ¾ Jahr hat er sich bemüht, kirchlich getraut zu werden. Sogar der Bischof befürwortete es in seinem Fall, doch der Widerstand eines Pfarrers hat es verhindert, er ist dann aus der Kirche ausgetreten, obwohl er gar nicht an Gott zweifelt. Schade, dass Menschen manchmal so schwierig machen, was Gott leicht macht. Aber auch das Umgekehrte gibt es: Menschen gehen achselzuckend darüber hinweg, was Gott zentral wichtig ist.

Doch hören wir auf Micha: Er hat den Menschen ins Gewissen geredet, wieder zu Gott zurückzukehren. Er hat ihnen zugerufen, was wir auch im Gottesdienst am Karfreitag den Leuten zurufen. Gott spricht: Mein Volk, was habe ich dir getan oder womit habe ich dich betrübt oder geärgert? Antworte mir! Ich habe dich doch heraufgeführt aus dem Land Ägypten, habe dich aus der furchtbaren Sklaverei erlöst, habe dich gut geführt. Du musst nicht mehr schuften ohne Lohn, sondern darfst menschenwürdig leben und dein Leben gestalten. Und Gott könnte weitersprechen: Ich habe für Dich am Kreuz geblutet in meinem Sohn, ich habe Dir Jahrzehnte des Friedens und des Wohlstands beschert, und so viele Menschen haben es gut mit Dir gemeint, Menschen, die auf mich hören. So redete Gott und so redet Gott auch heute.
Und da antwortet doch tatsächlich jemand auf diese Klage Gottes. Er merkt, dass er Gott vergessen hat, ohne ihn gelebt hat und will umkehren vom bösen Weg.
Da antwortet einer und das ist aufgeschrieben bei Micha im 6. Kapitel ab Vers 6: Er fragt:„Womit soll ich den Herrn für mich einnehmen, gewinnen meinen Gott, den Höchsten? Werde ich ihn mit Ganzbrandopfern erreichen, mit einjährigen Stieren? Wird der Herr Tausende von Widdern annehmen oder Zehntausende von Bächen Fett?
Na, der geht aber ran. Was der alles für Gott geben will. Der meint es ernst. Damals hat man sich durch Opfer mit Gott gutgestellt. Jeden Tag wurden im Tempel in Jerusalem und auch in Tempeln in der ganzen Welt Tiere für Gott geschlachtet. Rinder und Schafe, das waren die Bankkonten der damaligen Zeit, das Vermögen. Richtig fette Tiere waren besonders wertvoll. Und wer Gott ganz viel opfern wollte, der brachte ein Ganzbrandopfer: Das ganze Tier wurde eingeäschert, nichts blieb übrig, was die Menschen essen konnten, alles wurde Gott gegeben. Sonst war die Opferei nämlich auch ein Schlachtfest: Gott bekam etwas, durfte riechen, aber das meiste verzehrten die Priester und die Leute, die das Opfer brachten. Dieser fromme Mensch aber will ganze Sache mit Gott machen. Das Opfer soll ihm richtig weh tun. Einjährige Stiere sollen es sein, die schon großgefüttert wurden und ganz viele sollen es sein. Höchste Qualität und Quantität für Gott. Wie es die großen Konzerne für ihre Kunden auch bieten. Warum sollen im Reich Gottes nicht auch die höchsten Maßstäbe gelten?

Halt, halt, wollen wir aber vielleicht rufen, nun mal langsam! Was du für Gott tun willst, das ist doch überzogen. Und oft ist der erste Eindruck auch der richtige. Dieser Mensch begreift nicht, worum es Gott geht. Gott sucht den Menschen, nicht riesige Geschenke, die etwas darstellen und nach etwas aussehen. Und beim nächsten Angebot, dass er Gott macht, da läuft es mir eiskalt den Buckel hinunter:
Soll ich meine Erstgeburten wegen der Gottlosigkeit geben, die Frucht meines Leibes wegen der Sünde meiner Seele?“ Da ist jemand bereit, sein Liebstes, sein Wertvollstes, sein eigenes Kind zu opfern, damit er selber gut dasteht bei Gott. Haben wir richtig gehört? Ja! Solche Angst hat er vor Gott und will sich einschmeicheln, dass er sogar die eigenen Kinder dafür ans Messer liefern will. Nun, es wird heute schon fast als ein Menschenrecht gewertet, die Leibesfrucht zu opfern für das Wohl der anderen, um der Gesellschaft, der Familie, sich selbst Kummer zu ersparen. Ist es da so abwegig, es auch für Gott zu tun. Was zählt denn schon ein Mensch, so klein?
Nun es gab und gibt mörderische Religionen, doch die jüdische und die christliche Religion haben niemals das Menschenopfer gut geheißen. Unser Gott kann es nur zutiefst verabscheuen. Es gibt wohl andere Religionen und Anschauungen, die das Menschenopfer brauchen und wollen. Die Maya in Südamerika waren zutiefst überzeugt, sie müssten immer wieder Menschen hinschlachten für die unersättlichen Götter, damit es regnet, damit die Fruchtbarkeit nicht aufhört. Lebendig wurde den Opfern das Herz aus dem Leib geschnitten. Und sie führten Krieg, um Menschen gefangen zunehmen, sie auf zupäppeln um dann beste Menschenopfer bringen zu können. Das ist verstörend. Solchen Gottesdienst lehnen wir ab, auch wenn er in moderner Gestalt daherkommt, wie im dritten Reich, als andere Völker gewaltsam geopfert werden sollten und sich auch die Menschen freiwillig opfern sollten für ihre Führung aus Stolz.
Nein, wer so etwas propagiert, ist böse, kennt den wahren Gott nicht, weiß nichts von Liebe, hat keine Ehrfurcht vor Gott und seinen Geschöpfen.
Deshalb ist die Antwort beim Propheten Micha auch eindeutig. Gott will keine Opfer von uns, mit denen wir die Sünden verschwinden lassen wollen. Selbst wenn sie blutrot sind, sollen sie doch schneeweiß werden. Doch nicht durch neue Grausamkeit. Gott sucht die Menschen und ihre Liebe. Gott will keine Opfer, er will die Gemeinschaft mit uns, die mein Herz verwandelt und in mir und aus mir Gutes wachsen lässt. Das übertrifft alle Opfer dieser Welt.

Darum antwortet Micha: „Es ist dir kundgetan, o Mensch, was gut ist, und der Herr verlangt von dir nichts als: Recht tun, Erbarmen zu lieben und bedachtsam mit deinem Gott durchs Leben zu gehen.“ Gleich noch einmal: Du weißt, was gut ist! Das Recht tun, das Erbarmen zu lieben und bedachtsam mit deinem Gott durchs Leben gehen!
Und das wurde 700 Jahre vor Jesus bereits in aller Deutlichkeit ausgesprochen. Das hat Jesus auch gepredigt, dafür musste er sein Leben lassen, weil er konsequent das Rechte tat, auch gegen die Gesetze, weil er Erbarmen liebte und nicht die tötenden Vorschriften, und weil er immer nach dem Willen Gottes fragte und ihn tat. Dafür wurde er gekreuzigt und damit haben die Mächte, die uns zu Sündern stempeln und verurteilen, ein für allemal verspielt. Gottes Erbarmen ist unendlich stärker als alle Gottesferne. Jesus lädt die Verbrecher ins Reich Gottes ein und stirbt den Tod der Sünder, damit die Sünder leben und frei sind von der Sklaverei des Bösen. Der Weg dahin ist leicht. Wer vergibt, dem wird vergeben. Wer glaubt, der ist gerettet. Wer den Namen des Herrn Jesus anruft, der ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.
Der Mensch weiß, was gut ist. Er ist nicht zu entschuldigen, wenn er darauf besteht, seine Schuld mit Geld und Leben zu bezahlen. Der Mensch weiß, was gut ist, und so wird er leben. Recht muss Recht bleiben! Recht ist nur Recht, wenn es einsichtig ist, wenn es verständlich ist, wenn es dem Empfinden der Menschen gerecht wird. Alle merken sehr wohl, wenn Recht überzogen wird und nur den Interessen weniger dient, oder einen Vorwand liefert, die Menschen zu gängeln und ihnen zu nehmen, was ihnen zusteht. Recht muss richtig sein, muss zurechtbringen, die rechte Richtung weisen. Und es geht gar nicht ohne Erbarmen, es muss die Ausnahmen geben, wo nicht das Recht gilt, sondern die Liebe. Wo ein Mensch einem anderen sein Herz öffnet, wo das Herz spricht und den Verstand nicht ausschaltet, aber den Verstand an zweite Stelle setzt, da ist gut sein. Gott ist kein Vorschriftsbuch, Gott geht mit und er findet mit dir den rechten Weg, achte nur auf ihn, er ist da und du darfst mit ihm gehen, Schritt um Schritt. Du weißt, was gut ist. AMEN.