Johannes der Täufer - Predigt 3. Advent 2016 zu Lukas 3,1-14a i.A.

Johannes der Täufer
1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers Tiberius, ... geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohn des Zacharias, in der Wüste.
3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, 4 wie geschrieben steht im Buch der Reden des Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn und macht seine Steige eben!
5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden. 6 Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.«
7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?
8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße. ...
9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso. ...
14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! “

Lk. 3, 1-14iA
Liebe Geschwister in unserem Herrn Jesus Christus:
Wozu bin ich überhaupt da? Für was gibt es mich eigentlich? Worum geht es zuerst in meinem Leben? Wichtige Fragen! Doch die ganze Umtreiberei hält uns so auf Trab, wir sollen uns wohl tiefen Fragen gar nicht stellen, sondern nur funktionieren im Sinne fragwürdiger Systeme.
Viel wird auch übergestülpt: Ein junger Mensch könnte spüren, ich bin da um Erwartungen Erwach-sener gerecht zu werden, will aber nicht. Ein Alter könnte spüren: Um auf den Tod zu warten und noch etwas zu vererben! Ein Erwachsener könnte spüren: Um mehr Geld zu verdienen, um mitzuhalten beim Rennen. Soll das wirklich die letzte Antwort sein?
Am Anfang der Bibel ist eine Antwort in wohltuenden Bildgeschichten gegeben. Gott ist begeistert am Werk und schafft eine wunderschöne Welt. In jeder künstlerischen Betätigung ist solche schöpferische Freude. Bei Gott wimmelt es von Pflanzen, Bäumen, Sträuchern, köstlich anzusehen und köstlich, Früchte zu ernten. Da sind urige, lebendige Wunderwerke: Tiere, Vögel, Fische. Den Menschen hebt Gott sich auf bis zuletzt. Der ist ihm wohl am wichtigsten, am liebsten, auch wenn viele unserer Zeitgenossen, das für überzogen halten. Gott wollte es. Liebe lässt sich nichts vorschreiben! Nachdem alles bestens bereitet ist, darf der Mensch kommen. "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn." Gott wollte mich. Egal ob mich Menschen geplant oder gewollt haben, Gott will mich. Ich bereite Gott Freude, einfach durch mein Dasein. In mir spiegelt sich seine Herrlichkeit und Güte. Meine Heimat liegt in Gott, wo ich mich als erkannt und geliebt erfahre. Gott für mich, daraus wächst Lebensfreude!
Dann kommt gleich ein Zweites. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Gott schuf Mann und Frau. Ich bin als Mensch ergänzungsbedürftig, brauche den anderen. Zusätzlich zur Liebe Gottes tut der Mensch gut, dem ich mich ganz hingeben kann voll Vertrauen, mit dem ich Freude und Lust teile, der mit mir die Aufgaben und Lasten anpackt.
Zuallererst bin ich also als Mensch beschenkt, auf verschiedene Weise bin ich erst einmal geliebt, ehe ich Aufgaben bekomme und etwas leisten soll.
Drei Aufgaben haben wir Menschen: Wir sollen zur Freude Gottes sehr gut sein. Wir sollen mehr Menschen am Leben teilhaben lassen, besonders Kindern das Leben schenken, und wir sollen diese Erde gestalten und bewahren, also arbeiten im Einklang mit den Absichten Gottes.
Doch bevor der Mensch beginnt, Kinder zu zeugen und sich in Arbeit zu stürzen, da hat Gott erst mal den Feiertag ausgerufen. Da segnet er einen Ruhetag, als eine Wohltat für alle, als einen Tag der Erholung, zur Besinnung auf die tragenden Beziehungen, die uns geschenkt sind.
Der Mensch kommt also aus der Geborgenheit in Gott und wirkt hin auf Geborgenheit. Und sein ganzes Leben und Wirken findet heilsame Erfüllung in der Beziehung zu Gott.
Leider leben wir schon lange nicht mehr nach diesem Grundmuster des Schöpfers. Es ist furchtbar viel durcheinander geraten, verdreht und pervertiert. Das Gute ist kaum noch zu erkennen unter dem Berg von Trümmern. Aleppo, Mossul, so viele zerstörte Idyllen zeugen davon und das Leid wird instrumentalisiert.
Statt der Erfahrung von Glücks und Geborgenheit wäre viele Menschen zum Weinen zumute über die Schmerzen und Verletzungen, die sie erleiden und beobachten. Doch so viele Tränen bleiben vergraben und verschüttet. Nichts ändert sich.
Nun haben wir heute gehört von dem polterndem Bußprediger Johannes, dem Täufer. Der scheint gar kein Verständnis zu haben für die inneren Leiden der Menschen, er hat keine andere Botschaft als den Aufruf: "Tut Buße." Die Leute haben sicher viel falschgemacht, sie sind keine Engel. Jeder trägt seinen Teil an Schuld. Aber muß er sie deshalb so hart anfahren? Muß er ihnen eine Buße auferlegen? Kommt ein Mensch heraus aus dem Schlamassel, wenn er sich bemüht, Buße zu tun?
Ich sage es deutlich: Was unter Busse verstanden wird, ist meist ein Krampf. Da muß ich etwas büßen, da muß ich mich bestrafen lassen, da muß ich wiedergutmachen, was ich angestellt habe. Da sollte ich mich als besonders schlecht hinstellen und Abbitte tun. Gerade das ist die Buße nicht!
Gott liegt nicht daran, mich zu quälen, ddas wollen höchstens selbstgerechte Menschen, Gott will mir helfen, er will mich herausholen, Er will endlich etwas für mich tun dürfen. Aber er kann es nicht, wenn ich es ihm nicht erlaube.
Buße heißt richtig: Gott eine Chance geben, aufhören Gott zu mißachten oder Gott Vorwürfe zu machen, mir kein Feindbild von Gott zu machen, sondern mich auf ihn einfach einzulassen. Die Prioritäten nach Gottes Maßstäben setzen: Gott hat den ersten Platz, dann der Ehepartner, dann Kinder und dann kommen sinvolle Arbeit und nötige Pflichten.
Wer die Arbeit über die Kinder und über seinen Ehepartner stellt, dem hilft kein schlechtes Gewissen. Jammerei ist umsonst. Es hilft auch nicht, wenn er sich noch mehr am Riemen reißt, um das schlechte Gewissen ein wenig zu dämpfen. Der muß erst mal Lebenspartner und Kindern Priorität geben.
Wer seine Probleme ohne Gottes Wort und Gebet durch eigene Anstrengung lösen will, macht es sich zu schwer. Es ist auch zu schwer: Beten und doch alles selber machen. Oft heißt Buße: Verwirf das System, das dich kaputtmacht. Erkenne, wie weit du selbst ein gnadenloses System vertrittst. Höre zuerst auf Gott, dann ordnet sich aanderes.
Es kann nicht angehen, daß Gott helfen soll, aber ich überschütte ihn mit Anweisungen.Das klappt nicht. Entweder lasse ich ihn ans Steuer meines Heiligtums, oder er steigt besser aus.
Johannes sagt deshalb: "Kehrt um!" Er sagt dazu: "Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" Ganz Neues, ganz Schönes strahlt auf. Geborgenheit und Freude, die Gott ursprünglich gewollt, ist nicht mehr unerreichbar fern. Licht leuchtet auf in der Finsternis.
Vieles packen wir verkehrt herum an. Wir stellen uns Bedingungen, um besser zu werden. Wenn ich erst ein schnelleres Auto habe, dann werde ich öfters die Großmutter im Altenheim besuchen. Wenn ich erst den neuen Computer habe, kann ich schneller arbeiten. Wenn ich mal mehr Zeit habe, dann komme ich regelmäßig in die Kirche. Eine elende Jagd!
Ist mir das Unwichtige wichtiger als das Wichtige? Will ich erst die Kleinigkeiten ordnen, dann das Große? Vorsicht! Das Leben ist begrenzt. Packen wir an auf die schnelle Lösung hin, wie meine Frau das so gut konnte!
Johannes mahnt: Steigt aus aus den Teufelskreisen! Es ist möglich! Fang einfach an und zwar jetzt, sofort. Wenn du weißt, es ist richtig, dann tu es gleich. Erschreckend, wie vieles Fehler durch die Generationen wiederholen. Immer wieder neu das gleiche Verhängnis.
Der Glaube an Gott ist die Kraftquelle für Änderung auch tiefsitzender Probleme. Aber wir müssen realistisch sehen: Auch mit einigen ernsthaften Gebeten und einem Segen ist ein tiefgehendes Verhaltensmuster noch nicht behoben. Es gibt dafür auch fachliche und seelsorgerliche Unterstützung.
Johannes hat hingewiesen auf Jesus, der größer ist. Mit dem Heilgen Geist und mit Feuer tauft er. Feuer ist reinigende
Macht. Es frißt auf, was vor Gott keinen Bestand haben kann. Eitelkeit, Streitsucht, Zorn, giftige Worte, Verbitterung, Unnützes, Überflüssiges, Ballast. Dann beginnt die neue Freiheit. Gott hat mich als Kind lieb und stellt meine Füße auf weiten Raum. Er darf mir das Gute endlich geben, für das er so schwer gelitten hat, damit die Liebe zum Ziel kommt.
Und was will ich von Gott? Ich sollte mehr wollen als nur äußere Dinge. Ich sollte ihn selber suchen und wollen, daß sein Licht in mir leuchtet, daß aus mir etwas von der Güte und Herrlichkeit Gottes herausstrahlt, daß ich von ihm erfüllt bin und sein Friede ans Ziel kommt. Amen.

Manfred Staude

Manfred Staude, Pfarrer
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