Estomihi 2013 - gereimte Predigt von Pfarrer Manfred Staude

zu Lk 8, 31-43: Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung und Heilung eines Blinden

„Jesus nahm aber zu sich die Zwölf und sprach zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Sie aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie verstanden nicht, was damit gesagt war. Es begab sich aber, als er in die Nähe von Jericho kam, dass ein Blinder am Wege saß und bettelte. Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging, forschte er, was das wäre. Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth gehe vorbei. Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Die aber vornean gingen, fuhren ihn an, er solle schweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu sich führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Er sprach: Herr, dass ich sehen kann. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es sah, lobte Gott.

Liebe Schwestern und Brüder in unserem Herrn Jesus Christus!
Jesus mit seinen 12 Jüngern machte im Lande die Runde,
in Norden, in Galiläa waren sie schon bekannt wie bunte Hunde.
Jesus predigte und heilte, zum Staunen war seine Macht,
so was hatte seit Menschengedenken keiner vollbracht.

Jesus ist nicht nur ein frommer Lehrer, recht fein,
das Lehrersein war für ihn viel zu klein.
Ihm gebührte nicht nur ein Heiligenschein,
Er, Er, muss ganz was Großes sein!
Man schätzt ihn als Messias ein.

Und legte sich einer mit Jesus an, begann mit ihm zu streiten,
auf engherzigen alten Bestimmungen herumzureiten,
dann hat es Jesus ihm spitzenmäßig gegeben,
wies auf Barmherzigkeit, Liebe und ewiges Leben.

Jesus war auf dem Land der Sieger in allem Steit,
doch von der Hauptstadt Jerusalem waren sie noch weit.
Immer nur hier draußen weitab vom Schuss,
da muss sich noch mehr tun, das ist ein Muss!
Die Jünger konnten es gar nicht mehr erwarten,
wann wird in der Hauptstadt endlich der Endkampf starten?

Da ruft sie Jesus eines Tages zusamm'
sie sind gespannt aufs neue Programm.
Und - hört hört, - Jerusalem ist jetzt wirklich das Ziel,
Wie gut den Jüngern dies gefiel!

Hinauf nach Jerusalem, das ist ja Spitze
auch ist oben auf dem Berg nicht so'ne Affenhitze.
Doch bestimmt wird es dort oben geistlich heiß hergehen,
da werden wir mehr vom Messias sehen.
Dann werden auch endlich die Großen einsehen,
dass wir mit Jesus an der Schwelle des Gottesreichs stehen.
Dann werden die Massen sich zu Jesus kehren,
und wir Jünger werden die Dummen eines Besseren belehren.
Das wird ein Triumphzug nach Jerusalem
wir kommen groß raus – ehem, ehem.
Wir kommen zu Ehren, wir sind ja die Zeugen
der ersten Stunde, man wird vor uns sich beugen.
Die Herrschaft Gottes wird jetzt endlich aufgerichtet,
wir haben schon viel zu lange verzichtet.


Jerusalem, in ihren Ohren - klingt's als schönste Botschaft -
doch war da nicht noch was, keinerlei Freude es macht?
Was sagt da der Jesus? Wir sind ganz verstört,
das haben wir lieber gar nicht gehört.
Auf diesem Ohr, da sind wir blind,
weil wir so positive Leute sind!
Was Jesus sagt, ist viel zu scharf,
weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Die Heiden soll'n ihn in die Hände kriegen?
und unsern Helden ganz besiegen?
Die Bösen sollen über Gott triumphieren?
und auch noch über uns Juden jubilieren?
Sie sollen sogar über das Heiligste spotten
und das wäre noch nicht alles, die Heidenrotten
sollten ihn auch noch schlagen und verletzten
und sich an seinem Tod ergötzen?

Wovon Zeitungen gern mit Abscheu schreiben und sich empören
doch nur um die Auflage schnell zu vermehren.
Wir sollten uns lieber die Haare raufen,
als Nachrichten aus Sensationsgier zu kaufen.

Und Jesus sagt auch, das Böse wird so in den Heiden jucken,
dass es ihnen 'Spaß macht, ihm ins Gesicht zu spucken.

So ist der Mensch, präsentiert sich so gut und edel dir,
doch unter der Oberfläche lauert das grausamste Tier.
So zeigt ihnen Jesus ein schauriges Bild,
unter der Oberfläche sind die Menschen wild.
Doch die Jünger sind lieber blind,
wollen nicht sehen, wie Menschen wirklich sind.

Nein, Jesus, du täuschst dich, alle werden auf dich hören
Du brauchst es ihnen doch nur mit schönen Worten erklären!
Und ein paar Wunder führen dazu,
dass sie an dich glauben im Nu.
Jesus, du denkst zu schlecht von den Menschen,
die werden doch niemals ihren Retter bekämpfen.

So tönte es damals, so tönt es auch heute,
mit der Macht der Sünde rechnen kaum noch die Leute.
Na klar, die Leute früher waren so fanatisch und verhetzt
darüber sind wir heute Tag und Nacht tief entsetzt.

Heute aber ist das nimmer so, heut sind wir doch weiter,
heut sind die Menschen 10mal gescheiter
und menschlicher und aufgeklärt,
denn die EU hat sie bekehrt
und hat Verträge uns beschert,
was allem Streit für immer wehrt.

So tönt es laut, doch wer sich recht besinnt
zu einer tieferen Erkenntnis findt,
denn auch die Menschen heute sind ganz blind
für ihre eigne Sünd
und überheben sich und merken leider leider nicht
es fehlt an Liebe und an Licht,
und ohne Gott die Welt zerbricht.

Nach dieser philosophischen Betrachtung,
findet der Ort Jericho Beachtung.
Jesus kommt hinein, die Seinen wollen weiter eilen
und in Jericho nicht lang verweilen.


Aber seht, ein Blinder hockt am Wege,
dass sich in uns das Mitleid rege.
Und er ruft: Ach habt Erbarmen,
schaut nach mir, dem elend Armen!
Gott wird es euch reich belohnen
den Geldbeutel öffnet und tut ihn nicht schonen,
sondern ihn für mich entleeren
als gute Tat, dem Gott zu Ehren.

Manche rührt das Sprüchlein an
und man gibt dem guten Mann
eine kleine Münze - dann und wann.
(Auch im Gottesdienst in den Klingelbeutel fällt so oft nur ein Cent
auch ein Zweier oder Fünfer sich drin wiedererkennt
doch leider fehlen große Geschwister, die man Euro nennt.)

Doch zurück zum blinden Mann,
es kommt den Leuten nur drauf an,
dass der Blinde uns nicht stört
und mit dem Geschrei aufhört,
wenn wir unsern Jesus feiern,
damals in Jericho, heute in Bayern!

Es muss doch alles seine Ordnung haben
wir können die Störung nicht ertragen,
denn wir sind so blind
und merken gar nicht, dass wir es sind!
Wir sind innerlich furchtbar arm,
dass es doch nur Gott erbarm!
Lieber nicht sehen wollen sie damals wie heute,
sie sind eben blind die Leute!

Man kann sich dran gewöhnen
und als ein Blinder ganz gut löhnen
Es lebt sich eben recht bequem
mit geschlossenen Augen wie vordem!

Doch dieser Blinde ist nicht blind
in seinem Geist sieht er geschwind:
Dies ist die Chance meines Lebens,
heute ruf ich nicht vergebens!

ER muss mich hören, nun ist mir alles egal
weiter blind sein ist mir zuviel Qual,
mich kümmert nicht mehr, was man nennt normal.
Doch man sagt: Du darfst nicht aus der Rolle fallen,
immer mit der Ruh', du siehtst an allen,
wie sie sich still und gut benehmen
brav bleiben und vermeiden alle Themen,
die vielleicht Ärgernis erregen
und uns scheinen zu verwegen!

Nun wird doch der Blinde schweigen
und sich beugen,
in sein Schicksal sich ergeben,
nicht sich aus der Masse heben!?

Doch er will
nicht bleiben still,
schreit so laut er schreien kann,
denkt nicht nach, der gute Mann,
hängt sich nur an Jesus dran!
Ja, der Glaube schreit ganz laut,
auch wenn jeder böse schaut!

Jesus aber hört, kommt und hilft so gern
Wir haben nämlich einen guten Herrn.
Warum schreien wir nicht mehr?
warum schreien wir nicht sehr?
warum bleiben wir blind, taub und stumm,
warum brüllen wir nicht auch mal rum?

Dieser Blinde war nur nach außen blind.
Ach viele schrecklich blinder sind!
Sind blind auch für die Wirklichkeit,
die echten Gefahren unserer Zeit.

Man redet schlau von frühren Zeiten,
während uns die heutigen entgleiten.
So viele sehen nicht Betrug und Mord,
glauben den Lügen, dem täuschenden Wort.
Zu viele schweigen, doch es täte Not,
immer mehr zu schreien zu unserm Gott.
Zu ihm lasst uns schreien: „Öffne die Augen, sehen wollen wir!“
„Erbarme dich unser und heile uns, jetzt und hier.“

Das lasst uns tun und Er wird hören
und unseren Glauben stärken und vermehren.
Amen, Amen, das lasst uns sagen darauf,
Herr Jesus, segne doch unseren Lauf. AMEN.