Predigt Christfest I Johannes 1, 1-14 i.A.

Predigt Pfarrer Manfred Staude am 1. Weihnachtsfeiertag in der Michaelskirche Freimann

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. ... 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus mensch-lichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind. 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Liebe Geschwister in unserem Herrn Jesus Christus:

Ich darf an diesem Weihnachtsfest etwas Persönliches sagen: Kurz vor Weihnachten kam ich sehr in Trauer. Rätselhaft schnell ist meine liebe Frau Barbara gestorben mit 54 Jahren innerhalb von etwa 9 Wochen. Alle durchaus vorhandenen Hoffnungen haben sich nach und nach zerschlagen. Viele wünschten mir ihr Beileid - ohne Worte, es gibt Situationen, da fehlen uns Worte, da wissen wir wenig zu sagen. Das ist gut so.

Das Wort Gottes soll sprechen und seine Taten sind voller Leben! Es ist die Weihnachtsbotschaft, die spricht und meine Frau war und ist auch jetzt im Himmel erst recht ein Weihnachtsmensch! Keine Adventszeit wäre es bei uns gewesen, hätten da nicht Kerzen gebrannt, echte Kerzen, und wäre nicht gesungen worden und vieles Schöne mehr. Dafür hat sie gesorgt.

Das schönste ist: Freude, Strahlen, Licht und Wahrheit. Neuwerden, neue Schöpfung. Ein Sieg des Lebens, da an Weihnachten bricht die Liebe mit der Freude heraus, selbst unter dem Gegenteil.

Johannes sagt die Weihnachtsbotschaft so schlicht und doch so tiefgründig- unübertrefflich. Ich liebe das Schlichte. Im Einfachen liegt mehr Wahrheit und Echtheit als im Hochgestochenen und Gekünstelten!

"1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist."
Gott ist nicht für sich alleine und sich nicht selbst genug. Von Anfang an ist er Wort - er will die Gemeinschaft mit uns, Gott ist auf Mitteilung, auf Partnerschaft angelegt, wofür bräuchte er sonst das Wort? Und es ist so schlimm, wo Menschen nicht mehr miteinander reden, nur noch Worthülsen und Oberflächlichkeit kommunizieren, wie sehr tut es Not, wirklich zu reden, sich selbst in die Worte hineinzulegen. Gott hat in sein Wort alles hineingelegt, was ihm lieb und teuer ist, seinen eigenen Sohn. Denn nichts anderes ist sein Wort, als Jesus der Sohn. Gott in seiner Liebe, der sich ausstreckt nach uns und liebesbedürftig ist wie wir. Und diese Sehnsucht, diese Liebe Gottes, steckt in der ganzen Schöpfung drin und in allen Geschöpfen. Man muss nur die Ohren spitzen und die Augen öffnen und tiefer blicken und hören und sich nicht irre machen lassen durch all die Verzerrung, die durch die Sünde das Gute und das Wahre pervertiert hat.

"4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. ... 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen."

Ergreifender kann es niemand sagen als hier Johannes durch den Heiligen Geist, der ihn begnadet durchweht hat. Leben hat uns Gott zugedacht, Leben das diesen Namen wirklich verdient und alle Sehnsüchte und Erwartungen noch überbietet. An Gott liegt es nicht, wenn der Hunger nach Leben nicht gestillt wird. Gottes Wort hat das Leben in uns angelegt, hineingelegt. Eine Spur davon findet sich noch im übelsten Mörder.

Doch da kommt eben die Finsternis ins Spiel. Mehr brauchen wir nicht zu sagen, wenn wir in die Welt schauen. Schon im Kleinen ist jeder Abend ist ein Sterben, ein Abbruch, das Licht der Sonne am Tag ist durch nichts zu ersetzen. Auf der Autobahn mag eine Großbaustelle fast taghell erleuchtet sein - es ist doch nur ein jämmerliches Lichtlein verglichen mit dem herrlichen Sonnenlicht, das alles durchdringt. Und es ist das liebe Licht der Sonne ja nur ein Abglanz des Lichtes Gottes, des göttlichen Lebens. Schon die echte Kerze, die sich beim Brennen verzehrt, bietet etwas vom wahren Licht, warmes, freundliches, wahreres Licht, tröstliches Licht, sie hat mehr von der Sonne als all die energiesparenden technisierten Lichter, die zum Ausdruck bringen, dass wir uns das Leben und das Licht nicht mehr gönnen, alles nur noch rationell ist, berechnend, ohne Herz und Seele. Das, was sich in dieser Welt Licht nennt, ist zur Finsternis geworden, ein Spiegel der Herzen und Seelen.

Es ist wohl zum Weinen, dass Menschen sterben müssen, dass Tod und Krankheit und Schmerz das Leben hier einschränken. Noch mehr zum Weinen ist, dass Menschen blind sind für das Wahre und Wirkliche, dass sie sich nicht das Herz erweichen lassen von der Großartigkeit und Liebe Gottes! Gott und seine Liebe in Jesus sind in aller Gebrochenheit dieser Welt zu spüren, zu finden, seine Hand ist immer ausgestreckt, doch selbst dort wo Jesus willkommen sein sollte, bei den Seinen, findet er allzuoft verschlossene Türen und Herzen: Rechtha-berei, Gedankenlosigkeit, die sich an Lappalien festhakt, stolz einigelt und sich selbst bespiegelt.

Doch Gott hat es nicht dabei gelassen:

"Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns" - gedrängter und bedeutungsschwangerer kann das Wunder der Weihnacht nicht in Worte gekleidet werden! Fleisch ward das Wort! So und nicht anders muss es heißen. Freilich ist es verständlicher zu sagen: "Das Wort wurde Mensch". Mensch klingt vertrauter als Fleisch. Aber auch viel blasser und schwächer! Der Mensch ist Fleisch, auch wenn wir diesen Ausdruck in der Alltagssprache kaum noch benutzen. Die Gefahr ist groß, dass wir zu oberflächlich vom Menschen reden. Was ist denn eigentlich der Mensch?

Er ist Fleisch. Er steht im Zwielicht. Zum reißenden Tier kann der Mensch werden. Schwach kann er werden. Er muss es aber nicht. Das Fleisch ist dem Erdboden und den Niederungen sehr nahe.

Doch das Fleisch ist auch fähig zu den höchsten Meisterleistungen menschlicher Kultur und Moral.

Fleisch ist keine Idealvorstellung vom Menschen. Kein ideales Menschenbild. Fleisch ist der Mensch, wie er leibt und lebt. Fleisch, das ist der greifbare Mensch mit seinem Leib, verletzlich und doch so schnell überheblich, schwach und doch so leicht hochmütig, geschlagen und doch so gerne wiederum grausam, blutend, leidend und dennoch oft so ohne Mitgefühl und Liebe.

Solch ein greifbarer, wirklicher Mensch wurde das ewige Wort!

Gottes Schöpfungswort wurde ganz und gar, unwiderruflich, Fleisch. So sehr wurde er Fleisch, dass er nicht vom Kreuz herabsteigen konnte. Sosehr wurde er Fleisch, dass er nicht als selbstsicherer Erwachsener in die Welt kam, sondern als hilfloser, nackter Säugling. Fleisch wurde er, Mensch mit allen Niedrigkeiten und in allem Schatten.

Jesus ist der Mittler zwischen Gott und uns. Eine seiner Hände ruht in der Hand des allmächtigen Vaters, seine göttliche Wurzel. Die andere Hand streckt er uns Menschen als wahrer Mensch in Liebe entgegen. Wer die Gottheit von Jesus abstreitet, der verliert Gott. Und wer die Menschheit Jesu aus falsch verstandener Ehrfurcht leugnet oder herabmindert, der schlägt die uns gütig entgegengestreckte Hand aus. Der schneidet den Weg zu Gott ab. Dann wird der Glaube so seltsam abgehoben und wirklichkeitsfern.

Wie gut, daß es wahr ist: "Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns." Johannes sah seine Herrlichkeit mit den Augen des Glaubens. Gesprochene Worte können nachträglich zurückgenommen werden. Das fleischgewordene Wort ist unwiderruflich. Gottes Erbarmen mit uns ist alternativlos geworden.

"Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden." Die Menschwerdung Gottes ist nicht nur eine schöne Philosophie. Sie ist zu erleben, sie verändert Menschen und ihr Leben von Grund auf und in der Tiefe.

Jesus und die Bibel rufen bei manchen Gähnen und alberne Worte hervor. Doch wer sich vom Geist Gottes anrühren lässt, dem kann es ganz anders ergehen. Wie ein trockener Schwamm möchte er alles über Jesus und über Gott in sich aufsaugen und im Herzen fassen. 12 Mädchen und 2 Buben haben gestern als Engel in der Kirche gesungen: Freu dich Erd und Himmelszelt, Halleluja - mit Inbrunst und strahlenden Augen. Ich habe sie einfach nur angeschaut. Und es war so echt und schön.

Der ehrliche, unverbrauchte Glaube eines Kindes zeigt, dass an ihm nicht allein Menschen gewirkt haben, sondern dass Jesus die Macht gegeben hat, Gottes Kind zu werden. "Das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, ist in die Welt gekommen." Nehmen wir ihn auf, dann wird in uns Licht, weil er Licht macht. Dann ist Weihnachten nicht nur eine alte Geschichte, über die ich mir den Kopf zerbreche, sondern geschieht in mir drin.

Wir loben Gott loben für seine grenzenlose Güte. In unseren Gottesdiensten nimmt sein Lob jetzt schon den Anfang. In der Ewigkeit wird es seine Vollendung finden. AMEN.