Gereimte Predigt zu Fasching

Estomihi 2012 – gereimte Predigt von Manfred Staude zu:

Amos 5, 21-24 Der äußerliche Gottesdienst tut's nicht.
So spricht der HERR: Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und
mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer
und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure
fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder;
denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie
Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Ihr Lieben seid heute zur Kirche gekommen
und habt Gottes Wort aus der Bibel vernommen.
Sein guter Geist möge uns Verständnis schenken
und unsere Gedanken zum Guten hin lenken!

Und nun gebt Acht, ich hab mich bemüht
und heute die Kunst des Reimens geübt.
Ist es mir nicht ganz gelungen?
Hab ich mich nicht aufgeschwungen?
Kommt es nicht so richtig rüber,
dann erheb Dich einfach drüber.
Nimm's mir nicht übel hör auf Gott,
denn er predigt immerfort.
Dir im Herzen spricht sein Geist,
der Dir gute Wege weist.

Wer an Gott glaubt, der hat es heute schwer,
die sich um Gott nicht kümmern, werden immer mehr.
Doch mag es sein, das war schon immer so,
denn auch in alter Zeit war'n viele Leute froh,
wenn sie von Gott nichts merkten und nichts spürten
und keine Forderungen Gottes sie berührten.
Manche treiben es sogar bis auf die Spitze
und erklären diskutierend voller Hitze:
Es wär ja ganz schön, spräche Gott zu unsern Ohren,
doch Gott hat wohl den Anschluss zur Realität verloren!
So spotten sie und erklären ganz offen:
was Gott angeht, da gibt's nichts zu hoffen.
Er schweigt und hat überhaupt nichts zu sagen,
die Religionen sind nur üble Plagen.
Ein Überbleibsel von grausigen Zeiten, verrückten
als noch Priester die Menschen unterdrückten,
als noch keiner vernünftig zu denken wagte
und den Menschen die Dummheit behagte.
So wird dem guten Gott Finsteres in die Schuhe geschoben
Man will keinen Herrn und Gott mehr dort droben.
Mit der Welt machen wir es selber schon richtig
unser Profit und der Fortschritt, das ist uns wichtig.

Und doch, es will keiner den letzten Draht zu Gott zerschneiden,
er denkt: wenn doch einer droben, wär' ich nicht zu beneiden,
wenn ich's mir mit der höchsten Macht gleich ganz verderbe.
Ich glaub zwar nichts, doch um des Höchsten Gunst ich werbe.
Und außerdem ist es doch auch ganz feierlich, mal eins auf Religion zu machen,
so salbungsvolle Worte, Kunst und Musik, ja das rührt an, sind schöne Sachen.
Ein wenig Religion ist doch ganz nett, erhebt die Seele,
auch wenn ich sonst in Gottes Reihen allzugerne fehle.
Ostern und Pfingsten sind mir wirklich so lieb und ganz viel wert,
mal auf die Ski und in die Berge, da sind Feiertage nicht verkehrt.
Ich seh mir auch so manche alte Kirche an
und spende durchaus auch, so dann und wann.
So denkt wohl mancher, sagt es jedoch nicht allzu laut
damit er sich den Weg nach oben nicht verbaut.

Doch das ist scheinheilig und sagen wir es ehrlich
Scheinheilig sein ist vor Gott gefährlich!
Gott mag nicht den Schein, Gott mag es ehrlich
und ehrlich vor Gott ist ganz ungefährlich.
Amos zu seinen Zeiten hat den Widerspruch auch bemerkt
und Gott hat ihm als Propheten den Rücken gestärkt.
"Auf Amos, zieh jetzt los!
Ist dein Mut auch klein, doch ich bin groß!
Ruf den Menschen Gottes Wort ins Gewissen!
Ihr frommer Anstrich ist noch kein Ruhekissen.
Nimm ihnen die Maske vom Gesicht,
denn frommes Getue mag ich nicht!
Amos ich brauche dich als meinen Prophet,
damit es wieder ehrlich und recht zugeht."
Amos fasst Mut, ruft die Menschen zu Gott hin,
denn mit Gott im Reinen, das ist großer Gewinn.
Er sagt: "Gott ist ganz anders, als ihr es euch denkt.
Es lässt sich nicht bestechen, der Himmel und Erde lenkt.

Prächtige Tempel, die braucht Euer Gott nicht.
Auf Weihrauch und Zauber ist er gar nicht erpicht.
Ihm gehört doch sowieso die ganze Welt.
Er ist auch nicht scharf auf euer Geld.
Er hat nichts davon, wenn ihr euch plagt und quält,
deshalb seid ihr von ihm noch längst nicht erwählt.
Statt euch selber lauter Stress anzutun
solltet ihr lieber am Sonntag ruh'n,
zu euch selbst und euren Nächsten finden.
Denn die allerschlimmsten Sünden
sind nicht irgendwelche dumme Taten,
die euch einmal schlecht geraten.
Sind auch nicht die süßen Sachen,
die so manch Vergnügen machen.
Gott ist nicht der Feind des Lebens.
Gott engt nicht ein, quält nicht vergebens!
Nur eines kann Gott nie vertragen,
wenn Menschen andre Menschen plagen
Da hört bei Gott sich alles auf,
da nimmt die Wut bei ihm den Lauf.
Denn jeder Mensch liegt Gott am Herzen.
Das Leid der Menschen macht ihm Schmerzen.
Er fühlt mit Griechen, die jetzt arm
und ohne Hoffnung, Gott erbarm!
Er fühlt mit allen, die auf Freiheit brennen
und nichts als Willkür und Einschränkung kennen."

Und dann fährt Amos fort
ein ziemlich hartes Wort:
"Ich, Gott, will im Tempel keinen Gesang mehr hören
und die Instrumente dazu meinen Unmut noch mehren!
Ein Geplärr, o Graus, katastrofürchterlich,
ich hör nicht zu, ich schüttle mich!
Ihr denkt, als Gott will ich mehr Qualität,
nein, nein, das wäre ganz verfehlt!
Nicht auf die Qualität kommt es mir an.
Ich verurteile keinen, für was er nicht kann.
Ich mag jetzt keine Lieder mehr hören,
weil sich die Klagen bei mir mehren.
Wenn der Nachbar weint und ihr es nicht hört,
dann ist das Loblied voll verkehrt."

O, wie eng und kleinlich ist immer noch euer Herz,
wegen der richtigen Musik macht ihr euch Schmerz.
Dabei ist im Himmel alle Musik willkommen,
jeden Klang haben wir hier schon vernommen.
Doch ihr Menschen streitet um die Musik,
da liegen manche richtig im Krieg!
Der eine mag ganz alte Lieder
er singt den Luther immer wieder.
Etwas anderes mag er niemals hören,
tut jeglicher Neuerung wehren.
Der andre findet Bach und Händel abscheulich,
die Lieder von damals sind ihm ganz und gar greulich.
In der Kirche muss was Flottes, Modernes her:
Gospel, Rock und Pop, nichts andres zählt mehr!
Und während sie streiten welche Lieder den Menschen wohl gefallen,
lässt der Prophet seine klare Botschaft erschallen:
"All eure Lieder sind für Gott nur ein schlimmes Geplärr.
Er mag keines mehr hören der höchste Herr!
Wenn ihr singt, hält er sich die Ohren zu.
Lasst mich doch mit eurer scheinheiligen Musik in Ruh!
Wie könnt ihr nur singen,
lasst Lieder klingen,
als wär die Welt in Ordnung und gut!
Da packt euren lieben Gott die Wut!
Für ihn ist es ein unerträglicher Skandal:
die Weltordnung lässt den Armen keine Wahl!
Wer nichts hat, wird ausgepresst wie eine Zitrone.
Aber ich hab geboten: Verschone, verschone!"

Geht in die Berge und schaut nach dem Bach
so ein Bach ist echt stark und wird gar nicht schwach.
Das Wasser fließt und strömt und hört niemals auf,
immer frisches neues Wasser nimmt seinen Lauf.
Die Quelle des Wassers versiegt nimmermehr,
wo kommt nur das viele Wasser her?
So wie mit dem Wasser soll's sein mit dem Recht,
doch alles was recht ist, um das Recht steht es schlecht.
Da werden zwar ständig neue Gesetze produziert,
doch die Gerechtigkeit wird dabei weiter reduziert.
Recht bekommen die Starken und Reichen,
für die Armen lässt sich keiner erweichen.

Mit Jesus hat Gott alles fürs Recht getan,
die Sünder und Elenden nimmt er an.
Wer sich selbst für gerecht hält und unfehlbar tut,
ist innen oft faulig, verkleidet sich gut.
Die Sünder wissen, den Arzt brauchen wir,
die Gnade tut gut, Gottes Liebe ist hier.
Gottes Recht ist die Liebe, sie fließe hervor,
Gottes Gerechtigkeit öffnet das Himmelstor.
Der Sünder hat zwar schlechte Karten,
er kann keine Belohnung erwarten,
doch Gott sind alle Sünder recht.
Wer auf Jesus vertraut ist nie zu schlecht.

Und nun dürfen wir singen, ob schief oder krumm
Bei Gott klingt's doch gut, ihn haut nichts um.
Denn er hört, wie wir's im Herzen meinen
Wir meinen es recht, denn wir sind doch die Seinen.
Und wenn ihr nun meint, es war gesprochen in Gottes Namen,
dann sprecht mit mir alle fröhlich das Amen.